
Die Kirche Sant’Ivo alla Sapienza erhebt sich im kleinen Innenhof des Palazzo della Sapienza, der vom 15. Jahrhundert bis 1935 als Sitz der alten Universität von Rom diente, bevor sie zum Sitz des Staatsarchivs wurde.
Die zwischen 1642 und 1660 errichtete Kirche ist ein Werk des genialen Francesco Borromini, der 1632 zum Architekten der Sapienza ernannt wurde und von Papst Urban VIII. Barberini den Auftrag erhielt, den bereits von Giacomo Della Porta entworfenen und teilweise realisierten Komplex fertigzustellen. Zu dieser Zeit waren der Innenhof und auch die Hauptfassade bereits fertiggestellt; trotz der Komplexität des Bauwerks schuf Borromini ein Meisterwerk von außergewöhnlichem künstlerischem und technischem Wert.
Der Umbau durch den großen Architekten beginnt an der bereits bestehenden Fassade mit der Aufstockung um das Attika, das zu Ehren von Papst Alexander VII. mit den Wappensymbolen der Familie Chigi – den achtstrahligen Sternen und den sechs Zinnen – verziert ist.
Über dem Attika ragen die majestätische, mehrlappige Kuppel und die kühne, spiralförmig zinnenartige Laterne mit Fackeln aus Travertin empor, die in einer flammenden Krone gipfelt, auf der eine Kugel, ein Kreuz und eine Taube mit einem Olivenzweig im Schnabel aus Schmiedeeisen angebracht sind.
Das Innere der Kirche überrascht aufgrund seines dynamischen Grundrisses und der Schwungkraft der Lisenen, die sich in der sechsteiligen Kuppel fortsetzen – alles in hellen Farbtönen gehalten –, noch mehr durch die Neuartigkeit seiner Konzeption und Ornamentik, die bereits den Anbruch des Rokoko ahnen lassen.
Der zentralisierte, gemischte Grundriss bildet eine Art sechszackigen Stern, dessen Umfang von den Wänden nachgezeichnet wird. Die Dreifaltigkeit, symbolisiert durch das Dreieck, ist die Ausgangsform, die in Kombination mit einem weiteren, auf dem Kopf stehenden Dreieck sowie konkaven und konvexen Kreisabschnitten die stilisierte Gestalt von drei Bienen bildet – ein Symbol für Nächstenliebe, Klugheit und Fleiß sowie ein heraldisches Element im Wappen der Familie Barberini, das überall in der Kirche wiederkehrt.
Den Hochaltar ziert ein großes Altarbild, das den Heiligen Ivo, den Schutzpatron der Rechtsanwälte, darstellt. Es wurde von Pietro da Cortona gemalt und 1683 von seinem Schüler Giovanni Ventura Borghesi vollendet.
Der von Borromini entworfene Boden weist ein kunstvolles Muster aus schwarzen und weißen Marmorintarsien auf, das von großer Eleganz zeugt.
Von der Mitte des Innenhofs aus sieht man, wohin man auch blickt, heraldische Symbole: die Drachen der Boncompagni, die Bienen der Barberini, die Adler der Borghese sowie die Sterne und Berggipfel der Chigi.
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